Die 40 Kühe der Fête stehen fest!

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In fröhlicher und ausgelassener Stimmung fand am vergangenen Samstag in Savigny das Casting der waadtländischen und Freiburger Kühe für die diesjährige Fête des Vignerons statt.

Sie heissen Chantal, Edith, Tunisie, Fillette, Daphné und Guimauve; sie sind vier, fünf oder sechs Jahre alt. Sie sind braun-weiss oder schwarz-weiss, lebhaft, bestimmt, verspielt oder sanftmütig. Sie gehören den Rassen Fleckvieh, Montbéliard, der roten oder der schwarzen Holstein an. Sie – das sind die 40 Milchkühe (vollständige Liste am Ende des Artikels), die bei der Fête des Vignerons 2019 in Vevey dabei sein werden. Und sie sind in zweifacher Mission unterwegs: Zum einen sind sie Darstellerinnen der Show von Daniele Finzi Pasca, wenn sie kurz vor den Sängern des Ranz des Vaches mit der Kuhglocke um den Hals von einem Senner in die mit 20’000 Zuschauerinnen und Zuschauern besetzte Arena geführt werden, und zum anderen sind sie für die drei Wochen der Fête verwöhnte Gäste des Freiburger Bauernhofs La Ferme. Zwischen dem 13. Juli und dem 11. August werden sie dort essen, schlafen und Milch für den Gruyère geben, den die Besucherinnen und Besucher der Fête täglich geniessen können. Verantwortlich für sie ist Stallmeister Eric Sonnay.

Samstag, 4. Mai, neun Uhr morgens, auf dem Gelände La Pâle , Gemeinde Savigny, Kanton Waadt: Die Kandidatinnen kommen aus dem Vivisbachbezirk im Kanton Freiburg und aus der Region Montreux-Lausanne-Oron im Kanton Waadt. Die Kriterien, die sie erfüllen müssen, hat die Tierkommission der Fête zusammen mit den Zuchtverbänden festgelegt. Die Verbandsmitglieder dürfen der Jury ein Tier oder auch mehrere Tiere vorstellen. Etwa 50 Züchter haben sich für das Casting angemeldet. Die Besitzer der auserwählten Kühe erhalten zum Andenken eine Glocke sowie zwei Eintrittskarten für die Fête. Bei ihrer Ankunft in Savigny werden die Kühe zunächst von zwei Veterinären untersucht, um die Identität zu überprüfen und die Herkunft aus einer mit ansteckenden Krankheiten belasteten Zucht auszuschliessen. Anschliessend geht es unter die Dusche, damit auch wirklich die ganze Schönheit des Tieres zum Vorschein kommt. In einem Ring vor dem Gemeindehaus wählen dann die Züchter, die mit mehreren Kühen gekommen sind, jeweils eine aus. Die zwei Juroren Philippe Germain de St-Georges und Pascal Vallélian de la Tour-de-Trême treffen ihre Wahl anhand der beiden Kriterien Aussehen und Verhalten. „Die Rückenlinie, die Feinheit der Gliedmassen sowie das Aussehen des Euters sind genauso wichtig wie Folgsamkeit, Gang und Sozialverhalten!“ Für die endgültige Auswahl werden die Kühe zum Schluss noch einmal gruppenweise in den Ring geführt. Païenne ist die Erste, die auserwählt wird – Applaus. Dann ist Verveine an der Reihe, eine junge Kuh mit Hörnern. „Hübsch, mit wunderschönem Euter, gutsitzenden Zitzen und einem eleganten Gang“, schwärmen die Juroren. Applaus, Blitzlicht – Verveine wird zur wahren Schönheit ernannt.

Im Publikum: die Gemeindepräsidentin von Savigny, Familien aus dem Dorf, Senner im Edelweisshemd, einige Touristen und jede Menge Journalisten. In dem grossen Zelt, das der Organisator des Tages, der Viehzuchtverband von Monts-de-Lavaux, errichtet hat, geniessen die Gäste einen Kaffee oder einen Gutedel der Fête zu Croissants und Waadtländer Pastete. Bratspiesse werden vorbereitet, der Grill startklar gemacht. Das Wetter spielt mit. Die Stimmung wird immer ausgelassener. «C’est comme avec les femmes, tu regardes les plus belles!» «Oui, mais tu gardes la plus vilaine, comme ça tu es sûr qu’on ne te la vole pas!». Drei Alphornspieler des Sennervereins der Fête des Vignerons spielen ihre Melodien, danach sind die Sänger des Ranz des Vache an der Reihe und stellen sich vor die Kühe zum abschliessenden Familienfoto auf. A capella stimmen sie Le Lutin du chalet des Rêbes und La visite de la Gracieuse («Quand viendra-tu me voir dans mon alpage?») an. Man ist sich einig: Die Wiederkäuer sind genauso bewegt wie der Rest des Publikums.

Am Ende des Tages steht fest: Es war ein «super Casting», die ausgewählten Kühe sind «die perfekten Vertreterinnen», die die Viehzüchter aus der Region geschickt haben – so jedenfalls freut sich der Präsident des Sennervereins der Fête Denis Rohrbasser. «Sie erfüllen alle erforderlichen Kriterien. Das Publikum fragt sich vielleicht, warum es mehr rot-weisse Kühe als schwarz-weisse Kühe gibt. Der Grund dafür ist, dass in dieser Region nicht so viele schwarz-weisse Rinder gezüchtet werden. Wir wollen mit den Kühen auf der Fête dazu beitragen, die Verbindung zwischen Land und Stadt zu festigen. Es ist wichtig, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer, vor allem die Familien sehen können, wie die Tiere leben. Sie sollen sie anfassen können und miterleben, wie die Senner sich um sie kümmern und sie melken.» Die vier Kühe mit den Hörnern sind allesamt mit von der Partie. Der Präsident der Tierkommission der Fête Jean-Pierre Chollet dankt allen 42 Züchtern, von denen nur zwei leer ausgegangen sind. Den 40 Züchtern rät er: «Kümmern Sie sich gut um Ihre Tiere, denn sie müssen gut in Form sein, wenn sie am 13. Juli ihre Quartiere in Vevey beziehen!»

Laden Sie sich die Liste mit den Namen der Kühe und ihren Züchter als PDF-Datei herunter.


Text: Isabelle Falconnier. Bilder: Yves Claude et Jean-Claude Durgniat | oZimages