Die Alphornspieler auf der Fête des Vignerons 2019

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Dieses legendäre Ding mit dem langen, kegelförmigen Horn und der geschwungenen Öffnung am Ende ist ein lebendes Symbol der Schweizer Kultur. Dank des Mundstücks kann man mit dem aus Tannenholz gefertigten Instrument natürliche Harmonien und, je nach musikalischem Können, 13 bis 22 Töne über drei bis vier Oktaven erzeugen.

Früher spielten die Hirten das Alphorn in den Sommermonaten in allen Alpenregionen ausser im Tessin, und zwar, um sich zu verständigen. Im Winter zogen sie dann spielend durch die Städte und Dörfer und verdienten sich so ihren Lebensunterhalt.

Im 18. Jahrhundert kam das Instrument aus der Mode, und es gab immer weniger Alphornspielerinnen und -spieler. Erst 1805 wurde das fast vergessene Alphorn auf dem Unspunnenfest wiederentdeckt. Vor allem im Kanton Bern wurde das Spielen des Instruments gefördert, wo es allerdings auch viele Gegner gab, denn so manch Bewohner in den Städten wollte nicht, dass die Strassen von Alphornspielern bevölkert wurden.

Im 19. Jahrhundert war das Instrument fast vollständig verschwunden. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts organisierte der Eidgenössische Jodler-Verband Alphorn-Kurse. Dies verhalf dem Instrument zu neuer Beliebtheit, die bis heute anhält. Davon zeugt auch die Fête des Vignerons 2019.

Unter der erfahrenen Leitung von Pascal Favre, emeretierter Professor der Haute Ecole de Musique de Lausanne und ehemaliger Schüler von Jean Balissat, Komponist der Fête des Vignerons 1977, wird eine Gruppe von 35 Alphornspielerinnen und -spielern die Arena im Sommer zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Die neun Alphornspielerinnen und 26 Alphornspieler sind allesamt leidenschaftliche Musikerinnen und Musiker. Um bei der Fête sein zu können, mussten sie ein Vorspielen absolvieren, in der das Spielen vom Blatt sowie technische Fähigkeiten getestet wurden. Die besten von ihnen wurden ausgewählt. Seit letztem Sommer proben sie zweimal pro Monat in diversen Turnhallen und wachsen so zu einer musikalischen Einheit zusammen. Ausserdem treffen sich alle von ihnen regelmässig in kleinen Gruppen, um ihr Spiel zu perfektionieren und nicht zuletzt, weil es einfach Spass macht, dieses schöne Instrument gemeinsam zu spielen. Es ist ihnen nicht nur ans Herz gewachsen, sondern im wahrsten Sinne auch lieb und teuer, denn alle haben es aus eigener Tasche bezahlt.

Für die Fête des Vignerons 2019 werden die 35 Alphornmusikerinnen und -musiker in vier Gruppen in der Arena auftreten. So, wie sich früher die Hirten von Tal zu Tal damit verständigt haben, werden auch hier die vier kleinen Ensembles von ihren vier Ecken aus in einem viereinhalbminütigen Stück in Dialog miteinander treten.

Die Herausforderung besteht laut Pascal Favre für jeden Einzelnen darin, während der Vorstellung autonom zu spielen und sein Tempo zu verinnerlichen, da sie so weit voneinander entfernt sitzen. An Motivation mangelt es den Musikerinnen und Musikern jedenfalls nicht, und bis zum Sommer wird noch fleissig und mit viel Ehrgeiz weitergeprobt.

Wir freuen uns schon darauf, diese schönen Instrumente, die die Landschaft der Region auf so wunderbare Weise ehren, auf dem Marktplatz von Vevey anslässlich der Fête des Vignerons 2019 erklingen zu hören.


Text: Gianni Ghiringhelli