Eine Flut von Kartons in der Kostümausgabe

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Eine Flut von Kartons in der Kostümausgabe

Sechs Monate vor Beginn der Fête des Vignerons 2019 herrscht bei der Kostümausgabe Hochbetrieb. Ohne Unterlass kommen die LKW aus Italien in dem eigens zu diesem Zweck angemieteten Gebäude in La Veyre  an, allesamt vollgepackt mit Kartons, die bis zum Rand gefüllt sind mit den Kostümen und Accessoires für die Tausenden von Schauspielern und Statisten der diesjährigen Fête.

Leiterin der Kostümausgabe ist Monique Pugin-Margot. Sie ist verantwortlich dafür, die Flut von Kartons zu managen – ein Vollzeitjob, der jede Menge Organisationstalent erfordert, damit alle Teilnehmenden bis Juli ihre Kostüme erhalten. Auf nicht weniger als drei Etagen erstreckt sich das Gebäude im Gewerbegebiet La Veyre, das zu diesem Zweck angemietet wurde.

Im Erdgeschoss befindet sich das Lager. Hier kommen die Kartons an, alle penibel etikettiert. Art des Kostüms oder Accessoires, Grösse, Anzahl, Farbe etc.: Alles ist genauestens dokumentiert. Nachdem der LKW entladen ist, werden die Kartons geöffnet, ihr Inhalt überprüft und nach einem festgelegten System gelagert, was die gesamte Etage in ein wahres Labyrinth verwandelt.

Das erste Obergeschoss beherbergt die Nähwerkstatt, im zweiten Obergeschoss befindet sich die Anprobe. «Das Massnehmen fand bereits vor rund einem Jahr statt», erklärt Monique Pugin-Margot. «Wenn sich seitdem etwas verändert hat – was bei vielen Darstellerinnen und Darstellern der Fall ist – müssen wir noch Anpassungen vornehmen.» Mit wie viel Detailverliebtheit dabei vorgegangen wird, können wir live miterleben: Während unseres Besuchs diskutieren Monique Pugin-Margo und Giovanna Buzzi, die verantwortliche Kostümbildnerin der Fête des Vignerons, gerade die Auswahl der Nieten für den Gürtel der Cent-Suisses. Warum so viel Aufwand für eine Kleinigkeit, die die Zuschauer in der Arena wahrscheinlich nicht einmal erkennen können? «Heutzutage kommt es aufs kleinste Detail an. Bei den Festumzügen sind die Zuschauer sehr nah an den Darstellern dran», erklärt Pugin-Margot. «Ausserdem werden während der Show überall Kameras sein – und die sehen alles. Abgesehen davon müssen wir auf alles vorbereitet sein, falls während der Fête noch etwas ausgetauscht werden muss und können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir es bei den lokalen Händlern in Vevey bekommen.»

Das Zusammenstellen der einzelnen Bestandteile eines Kostüms ist eine echte Mammutaufgabe. Das Kostüm der Cent-Suisses zum Beispiel umfasst Schulterpolster, Gürtel, Umhängetasche, Hut, Schuhe, Strümpfe und Hemd. Ganz zu schweigen von den Kostümen der Insekten mit Oberteil, Flügeln, Beinkleid und so weiter … Jedes Teil wird einzeln angeliefert. Das macht insgesamt gut 25.000 Einzelteile!

Um da den Überblick zu behalten, braucht es eine präzise Planung, wenn die Darsteller zu ihrer Anprobe kommen. Dafür sind mehr als 180 Personen in der Kostümvergabe tätig. «Wir arbeiten an sieben Tagen die Woche, nur sonntags nehmen wir manchmal frei, wenn es möglich ist. Nicht alle Darsteller können es einrichten, zu den üblichen Geschäftszeiten vorbeizukommen. Sie haben Proben, und einige können tagsüber nicht von der Arbeit fernbleiben», erklärt Monique Pugin-Margot.

Wenn die Anprobe erfolgreich war und das Kostüm fertiggestellt ist, werden die einzelnen Bestandteile mit dem Namen des jeweiligen Darstellers versehen und zusammen mit den Accessoires in einen Kleidersack gesteckt, wo sie, nach Aufführungsgruppen sortiert, auf einer Kleiderstange auf ihren grossen Auftritt warten.

Die Arbeit der Kostümausgabe ist damit aber noch lange nicht beendet. «Ich hoffe wirklich, dass wir im Mai mit allem fertig sind. Aber auch danach liegt noch eine Menge Arbeit vor uns!» Denn selbst wenn im Mai alle Teilnehmenden ihr Kostüm haben, geht der Job von Monique Pugin-Margot und ihrem Team während der Fête weiter: Dann müssen die Kostüme gereinigt, eventuell ausgebessert oder repariert werden, damit sie bei allen Vorstellungen stets in einwandfreiem Zustand sind. Ausserdem stehen sie den Darstellern während der Festumzüge und Shows bei der Ankleide zur Seite …


Text: François Savary – Bilder: Céline Duschesne © Fête des Vignerons