Kühe, Pferde und Ziegen auf dem Bauernhof der Fête

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Die vierbeinigen Stars, allen voran 40 Kühe, machen die Fête des Vignerons zum echten Spektakel. Sie alle wohnen auf einem eigenen Bauernhof im Jardin Doret!

Ohne die tierischen Akteure wäre die Fête des Vignerons nicht das, was sie ist. Sie stehen für das ländliche Leben, das den Schweizerinnen und Schweizern so sehr am Herzen liegt. Der Auftritt der 40 Kühe, die von den Sennern auf die Bühne geführt werden, während elf Sänger den sagenumwogenen Kuhreigen anstimmen, ist einer der Höhepunkte des Spektakels in der Arena. Zu den weiteren tierischen Schauspielern gehören: acht Pferde, ein Maulesel und 15 Ziegen. Das ist Landleben pur. So machen die Tiere die Fête des Vignerons für alle kleinen und großen Zuschauer zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Chef des «Zoos» und verantwortlich für die gesamte Organisation rund um die Tiere der Fête ist Eric Sonnay, Viehzüchter aus Tavernes, nahe Palézieux. Er kümmert sich nicht nur um die Auswahl der tierischen Akteure, sondern auch um ihr Wohlergehen während der Fête. Schon bei der Fête 1999 war er als Stallmeister dabei. «Damals war ich einen Monat lang Tag und Nacht vor Ort. Es war eine tolle Erfahrung.» Bereits seit 15 Generationen ist seine Familie in der Viehzucht tätig.  Aktuell besitzt Eric Sonnay, der außerdem Abgeordneter im Grossen Rat Waadt ist, 156 Tiere. Demnächst will er den Betrieb an seinen Sohn übergeben.

Die Tiere wohnen vom 10. Juli bis zum Ende der Fête auf einem eigens eingerichteten Bauernhof im Jardin Doret – idyllisch am Ufer des Sees in Vevey gelegen, nur einen Steinwurf von der Arena entfernt. Wie ihre menschlichen Kolleginnen und Kollegen stehen sie einmal pro Tag im Rampenlicht. Die Pferde sind in Boxen untergebracht, die Ziegen und die kleinen Bauernhoftiere in Gehegen mit Unterstand. Neben dem Stall gibt es einen Lerngarten mit weiteren Tieren. «Es wird ein Mutterschaf mit seinen Lämmchen, zwei, drei kleine Kaninchen und eine Muttersau mit Ferkeln geben. Der Tierhof befindet sich direkt gegenüber dem Kindergarten – sehr zur Freude der Kinder und ihrer Familien», erzählt Eric Sonnay.

Vor Ort kann das Publikum das Leben auf dem Bauernhof hautnah erleben. Sieben Tierpfleger sind immer vor Ort, um sich um die Tiere zu kümmern, und bei Bedarf steht ein tierärztlicher Dienst zur Verfügung. Das Futter wird jeweils kurzfristig angeliefert, der Mist zu verschiedenen Bauern gebracht. Zweimal täglich können die Besucher beim Melken der Kühe zusehen, und es wird täglich vor Ort Käse produziert, der anschließend in der Käserei Semsales weiterverarbeitet wird. Eric Sonnay erinnert sich noch gut an die Fête von 1999. Damals war der Stall eine der Hauptattraktionen der Fête: «Wenn die Zuschauer aus der Arena kamen, herrschte bei uns Hochbetrieb. Das Besondere ist, dass es keine Zäune gibt, und die Besucher die Tiere sogar anfassen können. Das ist genau die gelebte Begegnung von Stadt und Land, für die die Fête steht. Es ist noch gar nicht so lange her, dass jeder von uns einen Onkel oder Großeltern hatte, die Bauern waren. Heute gibt es das immer seltener, und es ist Zeit, dass sich das ändert.»

Die wahren Stars des Spektakels waren und sind aber die Kühe. Die 40 glücklichen auserwählten Tiere sowie fünf «Reservistinnen» werden im Rahmen eines Anfang Mai in Savigny stattfindenden Castings gekürt, das es locker mit einer Misswahl aufnehmen kann. Die Einladungen zu diesem Casting wurden an die Viehzuchtgewerkschaften von Vivisbachbezirk, Oron-Lavaux und Montreux-Riviera verschickt. «Wir gehen davon aus, dass wir 100 bis 120 Kandidatinnen zur Auswahl haben werden», erzählt Eric Sonnay lachend. «Die Bewerberinnen müssen im zweiten Monat trächtig sein, damit sie während des Spektakels ruhig sind und gute Milch geben, die für die Käseproduktion nötig ist. Jeder Viehzüchter darf nur eine Kuh zur Fête schicken.»

Am Tag X treten die Kandidatinnen vor eine Jury aus zwei unparteiischen Experten – einer aus der Waadt und einer aus Freiburg –, die die Auserwählten küren, ohne die Namen der Züchter zu kennen. «Die Kühe dürfen nicht zu mager sein und müssen schöne Euter und eine charismatische Gangart haben», so Eric Sonnay lachend.

Jean-Pierre Chollet, Weinbauer aus Villette und Verantwortlicher für den Bereich Tiere der aktuellen Fête des Vignerons will das Casting jedenfalls auf keinen Fall versäumen, da es sich um ein ganz eigenes Spektakel handelt, das erfahrungsgemäß gut besucht ist. «Es ist wie auf einer Viehschau. Wenn die Tiere vorgeführt werden, sieht man meist auf den ersten Blick, ob ein Tier geeignet ist. ES braucht einfach dieses ganz besondere Charisma. Auch Körperbau und Farbgebung spielen eine Rolle.» Genau wie Eric Sonnay ist auch Jean-Pierre Chollet überzeugt, dass die Tiere und der Bauernhof am Ufer des Sees zu den Hauptattraktionen der Fête zählen. «Wir rechnen mit einem großen Besucherandrang. Schon immer und heute vielleicht mehr denn je üben Kühe eine besondere Faszination auf die Menschen aus.»

Aber laufen die Tiere nicht Gefahr, auf der Bühne in Panik zu verfallen – bei all den Lichtern und der Musik, der fremden Umgebung und den vielen Menschen? Eric Sonnay macht sich da keine Sorgen. «Die Senner kümmern sich sehr gut um die Tiere, da besteht kein Grund zur Panik.» Um den Kühen Stress zu ersparen, wurden alle möglichen Vorkehrungen getroffen. So werden die LED-Lichter der Bühne ausgeschaltet, damit die Tiere nicht nervös werden. Für die Kühe wird um die Bühne herum ein Steg aus Holz errichtet, während die Pferde Überzieher aus Leder über die Hufe bekommen, um Abnutzungserscheinungen auf der Bühne zu vermeiden. Außerdem können sich die Tiere bei den bereits vorab tagsüber und nachts durchgeführten Proben an die besondere Umgebung gewöhnen. Einen Monat lang werden die anonymen vierbeinigen Akteure im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. «Das Ganze ist mehr als eine Tierschau. Es ist die ganze Zeremonie drum herum, die den besonderen Zauber des Spektakels ausmacht», fügt Jean-Pierre Chollet hinzu. 1999 hatte der Weinbauer selbst mit einem seiner Pferde an den Shows teilgenommen. Nach der Fête war das Pferd wie ausgewechselt. «Ich glaube, es hatte Star-Allüren», lacht er.

Neben den Shows sind alle Tiere auch bei den drei Festzügen durch die Straßen von Vevey dabei – alle, bis auf die gefräßigen Zicklein. «Sonst gäbe es hinterher keine einzige Geranie mehr in der Stadt», scherzt Eric Sonnay, der der Fête schon voller Vorfreude entgegenfiebert. «Obwohl ich 1977 gerade für ein Praktikum in der Deutschschweiz war, bin ich damals extra für die Fête angereist. Schließlich findet sie nur einmal pro Generation statt. Für die Landwirtschaft gibt es keine bessere Werbung.»

  • FeVi2019 à la St-Martin, Vevey, le 13 novembre 2018

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Text: Bertrand Monnard, François Savary | Bilder: Yves Claude, Jean-Claude Durgniat