Melodien, die uns ewig im Ohr bleiben werden

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Melodien, die uns ewig im Ohr bleiben werden

Die Musik, ganz gleich ob gespielt oder gesungen, übernimmt bei der Fête des Vignerons 2019 eine tragende Rolle. Die Chefkomponistin Maria Bonzanigo, die von Valentin Villard und Jérôme Berney unterstützt wird, erzählt uns, was wir in der Arena zu hören bekommen werden.

Können Sie den künftigen Zuschauern erzählen, worauf wir uns im musikalischen Teil freuen können?
Die Musik wird wie ein Kaleidoskop an Themen und Motiven sein, die Szene für Szene wiederkehren. Originalstücke, die eigens von Jérôme Berney, Valentin Villard und mir komponiert wurden. Sie sollen den Zuschauer durch Reise dieser Aufführung führen, durch die Bilder, Klänge, Farben und Anspielungen. Inspiriert ist die Musik natürlich vom Weinbau, der Landschaft, den vorangegangen Fête des Vignerons und nicht zuletzt von den Veränderungen, die die Fête während der letzten Jahrhunderte erlebt hat. Was die Komposition ausmacht, ist die Vielfältigkeit der Klänge: ein Mix aus akustischer Musik und Musik vom Band, aus grossen und kleinen Ensembles. Ausserdem kommen die Klänge der Natur zum Tragen.

  • Photo: Edouard Curchod © Ville de Vevey — Visuel 2019

  • Maria Bonzanigo lors d'une répétition avec le grand coeur de la Fête. Photo: Jean-Claude Durgniat | oZimages © Fête des Vignerons 2019

Die Komponisten der Fête mussten schon immer Elemente aus der musikalischen Tradition, die folkloristischen und traditionellen Melodien, in ihre eigenen Kompositionen einfliessen lassen. Gefällt Ihnen diese Herausforderung?
Es hat mir viel Spass gemacht. Wir alle können viel von unserer Vergangenheit lernen. Man findet so auch zu sich selbst und versteht, woher man kommt, wo man steht, und vielleicht zeichnen sich auch Wege für die Zukunft ab.

Eine von diesen traditionsreichen Melodien ist der Kühreihen. Er ist absolut unantastbar – Puristen finden, dass er nicht verändert werden darf.
Dieses Lied wurde immer wieder überarbeitet, eben gerade weil es Generationen überdauert hat. Ich glaube, jeder, der es in den Greyerzer Bergen gesungen hat und dies auch heute noch tut, interpretiert es neu. Denn um zu erreichen, dass ein Stück authentisch klingt, muss man es sich zu eigen machen. Es muss unsere Seele durchdringen. Und vielleicht erscheint dann auch dem, der es heute singt, die Seele seines allerersten Sängers.

Was bedeutet es für eine Komponistin, die Musik für die Fête des Vignerons 2019 zu schreiben?
Eine wunderbare Herausforderung. Diese lange Tradition, in der Folklore auf Symphoniemusik trifft, ist einzigartig. Zu wissen, dass so viele Chorsänger gemeinsam proben, um meine Kompositionen zu singen, rührt mich zutiefst. Und es erinnert mich an die Zeit, als ich selbst mit meinem Chor und mit anderen Chören zusammen aufgetreten bin.

Das Menuhin Gstaad Orchestra nimmt diesen Frühling die Orchester- und Symphonieteile der Partitur auf. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Weil dieses tolle Symphonieorchester auf diese Weise ihr gesamtes Potenzial entfalten kann, was in der Arena aufgrund der akustischen Verhältnisse so nicht möglich wäre. Es gibt zwar auch Open-Air-Bühnen, die über eine gute Akustik verfügen, aber dabei handelt es sich um Aussenbühnen mit festen Standorten, die anders als die Arena nicht sofort nach den Aufführungen wieder abgebaut werden. Und auch in Hinblick auf die Tradition wird deutlich: Es sind vor allem die Blechbläser, die im Freien spielen. Der Klang der Streicher kommt draussen weniger gut zur Geltung. Uns ist die Tonqualität so wichtig, dass wir alles dafür tun, um ein optimales Klangerlebnis zu erzielen.

Welche Beziehung haben Sie zum Gesang?
Bei uns zuhause wurde immer gesungen. Mit meiner Schwester zusammen habe ich viel gesungen und tue es noch heute. Wir waren schon als Kinder mit dem Chor I Piccoli Cantori della Turrita im Ausland auf Tournee, in Griechenland, Bulgarien, Frankreich und Italien. Im Alter von sieben bis achtzehn Jahren habe ich in dem Chor gesungen. Am Ende habe ich die Neuankömmlinge im Chor unterrichtet. Die Tourneen und das gemeinsame Musizieren waren für mich prägende Erfahrungen. Das Singen hat einfach schon immer zu meinem Leben dazugehört.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Fête am 18. Juli beginnt?
Ich hoffe, dass sobald der Moment der ersten Aufführung gekommen ist, alle Mitwirkenden, für die dieser Traum dann endlich Wirklichkeit wird, eine tiefe Freude darüber verspüren, bei der Fête dabei zu sein, und dass diese Freude dann auch die Zuschauer erfasst. Ich wünsche mir, dass diese Fête ein Stück Hoffnung für die Zukunft gibt. Das würde mich sehr glücklich machen.


Das Interview führte Isabelle Falconnier
Bilder: Edouard Curchod und Jean-Claude Durgniat | oZimages