Modernste Technik für die Fête

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Modernste Technik für die Fête

Die grösste LED-Bühne der Welt, die Licht und Bilder projiziert, Tontechnik vom Feinsten, filmreife fahrbare Treppen … Der technische Leiter François Mottier berichtet, mit welcher Spitzentechnik die Fête ausgestattet sein wird.

Wenn es etwas gibt, das sich in den zwei Jahrzehnten seit der ersten Fête des Vignerons 1999 völlig verändert hat, dann ist das der Bereich Technik, Ton, Licht und Spezialeffekte. „Vor zwanzig Jahren arbeitete ich als Regisseur der Expo 02“, erzählt François Mottier, technischer Leiter der Fête des Vignerons 2019. „Da kamen beispielsweise Glasfaserleitungen gerade erst auf.“ Der 49-jährige Waadtländer weiss, wie sehr sich die Veranstaltung in diesem Sommer von der im Jahre 1999 unterscheiden wird – gerade dank all dieser Innovationen.

„Es wird zwangsläufig eine Fête des Vignerons einer anderen Epoche, einer anderen Generation sein. Aber Vorsicht: Die Technik steht im Dienst des Künstlerischen, nicht umgekehrt. Sie dient dazu, die künstlerische Absicht zu unterfüttern“, erklärt er völlig übereinstimmend mit Daniele Finzi Pasca, dem Gestalter und Regisseur der Show, die das Herz der Fête bildet.

Gewiss haben berühmtesten Shows des italienischen Künstlers, wie zum Beispiel die Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele in Sotschi, mit ihrer Poesie, ihrem Zauber von der neuesten Technik profitiert, jedoch ohne je in Kitsch, Bombastik oder Effekthascherei zu kippen. „Emotionen können natürlich durch Technik verstärkt werden, aber dabei darf das Menschliche nicht verlorengehen. Für die Fête des Vignerons werden wir sie bestmöglich nutzen, ohne sie in den Vordergrund zu stellen. Sie ist kein Selbstzweck.“

Als technischer Leiter hat François Mottier natürlich eine Schlüsselposition inne. Vor zwanzig Jahren schnappte sich sein Freund Daniel Rosselat, Präsident des Paléo Festivals, den vielgereisten Fotografen und Reporter und brachte ihn in die Heimat zurück. Als Veranstalter arbeitete er dann für Opus One, bevor er seine eigene Firma namens Mevento gründete. So organisierte er Grossveranstaltungen wie die Einweihung des neuen UEFA-Geländes und das Konzert von Michael Jackson in Lausanne. „Da ich Daniele kannte, schrieb ich ihm vor sechs Jahren, dass ich daran interessiert sei, an der Fête mitzuwirken. Im Herbst 2016 wurde ich engagiert und im Juni 2017 begann meine Arbeit.“

Bei vollem Terminkalender empfängt er uns Mitte Februar zwischen zwei Terminen. Auf die Frage, ob er sich angesichts des näher rückenden Tags X nervös fühlt, lächelt er nur. „Nervös werde ich bis dahin noch tausendmal sein. Wir befinden uns in der Tat auf der Zielgeraden und stehen unter grossem Zeitdruck. Aber ich bin zuversichtlich und ganz darauf konzentriert.“

Unter seiner Leitung und nach den Wünschen von Daniele Finizi Pasca wird der ganze Technikapparat Poesie, Träume und Leichtigkeit in das Fest bringen. Und ein Element dieser Technik, das alles in den Schatten stellt, ist die berühmte LED-Bühne. 1999 waren die Akteure über den nackten Marktplatz gewandelt. In diesem Sommer findet die gesamte Show nicht am Boden statt, sondern auf einer Bühne in Form eines riesigen Bildschirms, auf den Bilder, Lichter und Hintergrundstimmungen projiziert werden, damit das Publikum ganz in die Show eintauchen kann.

„Stellen Sie sich vor, das ist, als könnten wir auf die Oberfläche der Wolken malen …“, sinniert François Mottier poetisch, während er uns eins der 3200 Panele im Format 50×50 cm zeigt, die zu einer 783 m2 grossen Fläche montiert werden. „Solche Bühnen werden besonders bei Konzerten und Modenschauen auf der ganzen Welt eingesetzt. Aber das hier wird der grösste LED-Boden sein, der jemals im Freien aufgebaut wurde.“

Daniele Finzi Pasca äusserte zu diesem wichtigen Element: „Dieser Boden wird eine überwältigende Klang- und Bildwahrnehmung ermöglichen, einen Dialog zwischen Bildern, Kostümen, Liedern und gesprochenen Texten. Dadurch werden sich alle Zuschauer, auch die auf den obersten Tribünenplätzen, in eine traumähnliche Atmosphäre versetzt fühlen.“

Die gesamte Technik der Fête wird von dieser Qualität sein. Auf vier erhöhten Bühnen über den Ecken der Arena werden vier 50 m2 grosse Bildwände errichtet. Der Ton, der von acht riesigen, 30 Meter hohen Masten kommt, wird die Zuschauer buchstäblich einhüllen. „Vom ersten bis zum letzten“, verspricht François Mottier, „und zwar vollkommen gleichmässig, denn die Anlage wird über die gesamte Arena verteilt. Das wird der Clou. Dem Publikum wird es vorkommen, als ob sich der Klang mit den Künstlern bewegt. Wenn ein Sänger auf einer Seite singt, richten sich sofort alle Augen auf ihn.“

Das Publikum wird mehr als zwei Stunden in einer schwerelosen Fellini’schen Welt verbringen, wo alles reine Poesie ist und sich jedes kleinste Detail harmonisch einfügt. Leicht, luftig, wie eine Bach- Inventionen. Eine Überraschung folgt auf die andere. Die Schauspieler und Komparsen sowie alle Requisiten erscheinen durch Falltüren und über zwei fahrbare Treppen auf der Bühne. Der See mit seinem Wellengang wird von einem riesigen Tuch dargestellt. Ein Gebläse aus Gullivers Reisen wirbelt die Blätter des Almanachs und das Konfetti durch die Luft. Rund 200 Techniker beschwören diesen Zauber bei jeder Vorstellung herauf.

Für François Mottier und sein ganzes Team findet der grosse Praxistest am 18. Mai bei der ersten Generalprobe mit allen Darstellern statt. „Dann haben wir drei Monate Zeit, um an den Details zu feilen.“ Was bedeutet die Fête des Vignerons für ihn? „Ein einzigartiges Ereignis, das alle zwanzig Jahre eine ganze Region mobilisiert, das zugleich das Kulturerbe und die Geschichte berührt, das nachhaltig beeindruckt und Spuren hinterlässt, und zwar möglichst schöne.“

Und was wird der Motorradfan, Taucher und Vater eines 12-jährigen Jungen tun, wenn der Vorhang gefallen ist? „Dann brauche ich erst mal eine kleine Gehirnwäsche“, scherzt er und springt auf zum nächsten Termin.

  • Image de synthèse, sous réserve de modification © Roberto Vitalini | Bashiba – Fête des Vignerons 2019


Text: Bertrand Monnard
Image de synthèse, sous réserve de modification © Roberto Vitalini | Bashiba – Fête des Vignerons 2019.
Design der Arena: Hugo Gargiulo (nach einer originellen Idee von Jean Rabasse).